Ein Platz im Pflegeheim wird für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen immer schwerer zu finanzieren. Obwohl die Pflegeversicherung seit einigen Jahren höhere Zuschüsse zahlt, steigen die Eigenanteile weiter. Nach Berechnungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK mussten Heimbewohner zuletzt im Durchschnitt 2424 Euro im Monat selbst aufbringen. Das waren fast sieben Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Die Entwicklung zeigt ein Grundproblem der Pflegeversicherung. Sie ist keine Vollversicherung, sondern übernimmt nur einen Teil der Kosten. Alles, was darüber hinausgeht, müssen Pflegebedürftige selbst zahlen – oder ihre Angehörigen, sofern diese nach den gesetzlichen Regeln herangezogen werden können. Reicht das Einkommen nicht aus, springt häufig die Sozialhilfe ein.
Zuschüsse bremsen den Anstieg nur teilweise
Seit 2022 erhalten Pflegebedürftige in stationären Einrichtungen einen Zuschuss zum pflegebedingten Eigenanteil. Er steigt mit der Dauer des Heimaufenthalts. Im ersten Jahr übernimmt die Pflegeversicherung 15 Prozent dieses Eigenanteils, nach zwölf Monaten 30 Prozent, nach zwei Jahren 50 Prozent und nach drei Jahren 75 Prozent.
Diese Zuschläge sollten die finanzielle Belastung abfedern. Tatsächlich profitieren vor allem Bewohner, die schon länger in einem Heim leben. Bei Menschen mit einer Aufenthaltsdauer von mehr als drei Jahren fällt die Entlastung deutlich aus. Dennoch reicht sie nicht, um den allgemeinen Kostenanstieg zu stoppen.
Nach Angaben des Instituts lagen die durchschnittlichen Gesamtkosten eines Heimplatzes Ende 2024 bei 4701 Euro im Monat. Davon entfielen 1757 Euro auf den pflegebedingten Eigenanteil, 977 Euro auf Unterkunft und Verpflegung sowie 497 Euro auf Investitionskosten. Weitere 1470 Euro zahlte die Pflegekasse direkt an die Einrichtung. Zusätzlich übernahm sie im Durchschnitt 807 Euro des pflegebedingten Eigenanteils. Für die Pflegebedürftigen blieben damit 2424 Euro.
Pflege wird teurer, auch wegen höherer Löhne
Ein wichtiger Grund für die steigenden Kosten sind höhere Personalausgaben. Pflegeeinrichtungen müssen ihre Beschäftigten tariflich oder tarifähnlich bezahlen. Diese Vorgabe soll die Arbeitsbedingungen verbessern und den Beruf attraktiver machen. Für die Einrichtungen bedeutet sie jedoch höhere Kosten, die sich in den Heimentgelten niederschlagen.
Hinzu kommen allgemeine Preissteigerungen. Energie, Lebensmittel, Gebäudebetrieb und Dienstleistungen sind teurer geworden. Auch Investitionskosten belasten die Bewohner. Eigentlich sind die Bundesländer für die Finanzierung solcher Kosten zuständig. In der Praxis werden sie aber häufig über die Heimentgelte auf die Bewohner umgelegt.
Die Pflegeversicherung hat ihre Leistungssätze zwar zum Jahresbeginn erhöht. Für Pflegegrad 4 stieg der Betrag zum Beispiel von 1775 auf 1855 Euro. Doch auch diese Dynamisierung reicht nach Einschätzung der AOK-Fachleute nicht aus, um die Eigenanteile dauerhaft zu stabilisieren.
Langfristig droht eine noch größere Belastung
Das Institut blickt auch auf die kommenden Jahre. Selbst bei einer vergleichsweise vorsichtigen Annahme, dass die Zuzahlungen nur um zehn Prozent steigen, könnte die durchschnittliche Belastung bis 2029 deutlich zunehmen. In einem Szenario des WIdO könnten die Eigenanteile bis dahin auf 3812 Euro im Monat steigen. Das wären 1388 Euro mehr als heute.
Für viele Rentner wäre eine solche Summe kaum aus eigener Kraft zu stemmen. Schon heute übersteigen die Heimkosten vielerorts die laufenden Alterseinkommen deutlich. Ersparnisse werden dann aufgebraucht, Immobilien verkauft oder Angehörige müssen prüfen, ob sie finanziell beteiligt werden können.
Große Unterschiede zwischen den Bundesländern
Wie viel ein Pflegeheimplatz kostet, hängt stark vom Wohnort ab. Die Eigenanteile unterscheiden sich je nach Bundesland und sogar je nach Landkreis erheblich. Besonders teuer ist die stationäre Pflege in Nordrhein-Westfalen. Dort müssen Bewohner für pflegebedingte Kosten, Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten im Durchschnitt 2764 Euro im Monat zahlen.
Am günstigsten ist die Versorgung in Sachsen-Anhalt mit 1965 Euro. Besonders groß sind die Unterschiede bei Unterkunft und Verpflegung. In Sachsen-Anhalt fallen dafür im Durchschnitt 774 Euro an, in Nordrhein-Westfalen 1234 Euro.
Neben einem West-Ost-Gefälle zeigt sich auch ein Süd-Nord-Gefälle. Auf Kreisebene werden die Unterschiede noch deutlicher. Die pflegebedingten Zuzahlungen variieren dort um mehr als das Doppelte. Je nach Region liegen sie zwischen 616 und 1321 Euro im Monat.
Pflegeversicherung steht unter Reformdruck
Die Zahlen verschärfen die Debatte über die Zukunft der Pflegeversicherung. Einerseits sollen Pflegekräfte besser bezahlt und Einrichtungen wirtschaftlich stabil bleiben. Andererseits dürfen Pflegebedürftige nicht immer stärker finanziell überfordert werden.
Die bisherigen Zuschüsse lindern die Belastung, lösen das Grundproblem aber nicht. Denn solange steigende Heimkosten nur teilweise von der Pflegeversicherung aufgefangen werden, wachsen die Eigenanteile weiter. Damit wird stationäre Pflege für viele Haushalte zu einem erheblichen Armutsrisiko.
Politisch stellt sich deshalb die Frage, ob die Pflegeversicherung künftig stärker aus Steuermitteln gestützt werden muss, ob die Länder Investitionskosten konsequenter übernehmen oder ob die Leistungen grundsätzlich neu geordnet werden. Klar ist: Ohne Reform wird der Pflegeheimplatz für immer mehr Menschen zur finanziellen Zumutung.
